Mehr Geld für die Haushaltskasse
             
     
 

Die Eigenkapitalquote – ein Ausweis für die Solidität einer Unternehmung 

Bevor wir uns mit der Eigenkapitalquote beschäftigen, wollen wir uns grundsätzlich mit der Unternehmensfinanzierung befassen. Wer eine unternehmerische Idee umsetzen will, braucht Geld. Da das eigene Geld in den meisten Fällen nicht ausreicht, wird es nötig, weitere Mittel einzuwerben. Im Prinzip gibt es hierfür zwei Möglichkeiten.

Einerseits kann der Unternehmer Kredit nachfragen. Die möglichen Kreditgeber werden die Unternehmensidee prüfen und anhand der bestehenden Ausfallrisiken einen Zins für den Kredit verlangen. Das ist der Preis für geliehenes Geld. Der Kreditnehmer ist verpflichtet, dem Kreditgeber den festgesetzten Zins zu zahlen. Da das Kapital nicht aus dem Unternehmen kommt, heißt es Fremdkapital.

Andererseits kann der Unternehmer auch Geldmittel einwerben, indem er die Geldgeber im Gegenzug am Unternehmen beteiligt. Weil hier Anteilseigner Kapital bereitstellen, heißt dieses Kapital Eigenkapital. Üblicherweise haben Unternehmen einen Kapitalmix, sie haben also Anteilseigner und Kredite. Die Eigenkapitalquote ist der prozentuale Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens. 

Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet eine relativ hohe Stabilität des Unternehmens, die Abhängigkeit von Kreditgebern ist gering, die Kreditwürdigkeit daher relativ hoch. Die positive Beurteilung rührt daher, dass Kreditverbindlichkeiten, also Schulden, immer mit einer Pflicht zum Kapitaldienst, also zu Zinszahlung und Tilgung, verbunden sind.

Zu einem großen Thema wurde die Eigenkapitalquote im Zusammenhang mit der weltweiten Finanzkrise, die vor allem eine Bankenkrise ist. Wie sich zeigte, haben Investmentbanken enorme Gewinnmargen erzielt, wobei die Kapitalstruktur der Institute eine Schlüsselrolle spielte.

Einer sehr niedrigen Eigenkapitalausstattung stand eine enorme Verschuldung gegenüber. So konnte mit einem geringen Aufwand an Eigenkapital ein Kredithebel – der sogenannte Leverage-Effekt – realisiert werden, der bei historisch niedrigen Zinsen billig zu haben war. Das riesige Kreditvolumen führte zu einem aufgeblähten Finanzsektor, der sich zu einer ernsten Bedrohung für die gesamte Weltwirtschaft entwickelte.

Denn so schön ein großer Kredithebel in guten Zeiten ist, so schlimm ist er, wenn die Geschäfte sich verschlechtern. Dann brechen die Gewinne ein, es entstehen Verluste, und zusätzlich muss die riesige Verschuldung abgetragen werden. Schnell stellte sich heraus, dass die Banken das nicht schafften.

In aller Welt mussten Staaten nun ihre Banken mit riesigen Beträgen retten, damit der Kreditmarkt nicht vollends zusammenbrach. In Kenntnis dieser Fehlentwicklungen wurden im Rahmen der Basel-III-Bankenregulierung die Eigenkapitalvorschriften verschärft, also eine deutlich höhere Eigenkapitalquote für Finanzinstitute fest geschrieben.